Shortcovering treibt die Bohne

Klugscheißerei! Mit trauriger Regelmäßigkeit tauchen immer wieder Berichte und Kommentierungen in der (inter-) nationalen Agrarpresse auf, die es in nachträglicher Weisheit ja gleich gewußt haben wollen. Der Preis konnte sich ja nur so entwicklen und überhaupt war der Markt seinerseits viel zu emotional aufgeladen, sodass die Preisentwicklung ja keinen Bestand haben konnte etc.. Das könnte man kommentarlos übergehen, wenn diese Stimmen nicht einen klar zutage tretenden Anklageton denjenigen gegenüber besäßen, die es damals wagten, eine klare Meinung zu kommunizieren. Ein ganz mieser Stil! Aber wie soll sich ein Gescholtener dagegen wehren, wenn sich die Feinde nicht aus der Deckung wagen. Antwort: Gar nicht! Man sollte seinen Weg unbeirrt weitergehen! Dennoch darf man darauf hinweisen, dass das Problem nicht neu ist. In der berühmtesten und besten Gerichtsrede des Altertums, der Kranzrede, vernichtet Demosthenes seinen Widersacher Aischines mit dialektischer und rhetorischer Gewalt, die bis heute ihresgleichen sucht. Hier ein paar kurze Auszüge:

„Jener aber schweigt, wo er sprechen sollte und wenn sich ein Unglück ereignet, dann lästert er drauflos. Wenn jetzt einer etwas entdeckt, was damals Nutzen gebracht hätte, so sage ich, dass mir dies nicht hätte entgehen dürfen. Wenn es aber so etwas nicht gibt noch gab und niemand heute oder irgendwann einmal es vorbringen wird, was sollte da der Ratgeber tun? Musste er nicht von dem Sichtbaren und Möglichen das Beste wählen?

Hätte das, was sich ereignen sollte, allen offensichtlich vor Augen gestanden, hätten es alle vorher gewußt und hättest du, Aischines, es vorher gesagt und mit Geschrei und Lärm beteuert, du, der du auch nicht einen Laut von dir gabst, so durfte die Stadt (Athen) auch dann nicht von ihrem Weg abweichen, wenn sie auf dem Ruhm der Vorfahren oder das Urteil der Nachwelt Rücksicht nahm“.

Aber wenden wir uns dem Guten, Wahren und Schönen zu – der Sojabohne. Die konnte gestern nämlich ansteigen. Der Novembertermin packte fast 15 cts/bu drauf und holte sich damit die Marke von 8,70 US$ zurück.

Shortcoveringaktivitäten haben den Preis nach oben gebracht. Trotz des grundsätzlich guten Wetters sorgt man sich um das finale Ertragspotential der Bohne. Wir hatten bereits gestern in Verbindung mit der vorteilhaften Herbstwitterung darauf hingewiesen, dass es auch andere gut begründete Gegenstimmen gäbe, die der Bohne wegen ihres späten Saatzeitpunktes weit weniger Ertragspotential zubilligten, als das derzeitige Wetter einem einzuflüstern imstande ist. Gestern zeigte die Bohne im Handelsverlauf die Neigung, eher diese Gegenstimmen anzuhören und handelsmäßig umzusetzen.

Natürlich hat auch der morgige USDA-Report sein Scherflein zur Shortcoveringbereitschaft beigetragen, weil die jüngste Vergangenheit gezeigt hat, wie heftig die USDA-Reporte wirken können.

Daneben nahm man zur Kenntnis, dass sich der Saatenstand nicht verändert hat. Das USDA sah nach wie vor 55% des US-Bohnenbestandes in gut bis exzellentem Zustand. Das lässt den unterschwelligen Schluss zu, dass verbesserte Witterungsbedingungen nicht mehr die Wirkmacht in sich tragen, den Saatenstand in den USA zum Besseren zu wenden. Und dieser Umstand verleiht den mahnenden Stimmen ihre vollumfängliche Daseinsberechtigung.

Der September-WASDE-Bericht trägt in Abwesenheit eines trockenheitsbedingten Wettermarktes üblicherweise nicht das Potential in sich, die Datenlage in den Köpfen der Ministerialstatistiker in Washington zu verschieben – und wir hatten keinen solchen Wettermarkt in 2019.

Aber dürfen wir deswegen annehmen, dass man sich morgen mit „kopieren und einfügen“ aus dem Augustreport aus der Affäre ziehen wird? Wohin das USDA marschiert, ich wage es nicht zu denken!

Winnipeg: Canola teste trotz besserer Bohnenpreise die Tiefs. Das sieht nicht gut aus. Die Bullen müssen hoffen, dass die Tiefs halten, ansonsten gibt es ein weiteres Schlachtfest.

Matif: An der Matif hatten wir einen weiteren Tag preislichen Stillstandshandel, der kurz nach unten blickte, sich aber für die leicht festere Marktseite entschied. Das war nicht schlecht, wenn man sich vor Augen hält, dass das Rüböl in Rotterdam wieder etwas zurückgesetzt hat. Die Marke von 800,- €/to stand aber nicht zur Disposition.

Die Börse hat aufgemacht und schreibt derzeit auf alle Termine eine schwarze Null. Damit sind wir trendanalytisch so schlau als wie zuvor. Es wird nichts anders übrig bleiben, als uns in Geduld zu üben.

Schauen wir uns einmal einen Chart außerhalb der Ölsaatenwelt an. Die Kreditkartenzinsen steigen für den ohnehin bereits überschuldeten us-amerikanischen Verbraucher immer weiter.

Um den gesamten Marktbericht herunterzuladen, klicken Sie hier: SCH10092019_rt

By |2019-09-11T11:37:48+02:00Mittwoch, September 11, 2019|Alle Märkte, Ölsaaten|